Vorher und Nachher Michelle

Es heißt man kommt verändert von einer Reise wieder ... 

 

Wien, 14. November 2025. Mein Lieblingsthema: Shiplifeeeee

 

Heute wurde ich von einer Freundin, die mich gerade in Wien besucht, gefragt, ob ich mich denn in der Zeit vor und nach dem Schiff verändert habe. Und das gab mir eine riesen große fette Portion Inspiration für mein nächstes Thema. Denn es gibt nichts worüber ich lieber erzähle. Ich liebe es, wenn ich darüber erzählen darf. Leute sich dafür interessieren. Sich ein Kreis um mich bildet, wenn ich den Fakt droppe, dass ich einmal in der Karibik mit dem Schiff und einmal für die Luxusklasse über New York nach Hamburg geshippert bin. Es ist ein Teil von mir. Wird es immer sein. Zwei Verträge, die mich als Person verändert haben. Denn das haben sie.

 

Wo fange ich an. Ich glaube ich bin einfach mal so als Michelle auf MeinSchiff gegangen ohne zu wissen, was ich vom Leben erwarte oder wo ich mich in Zukunft sehe. Wusste nicht, wie meine Zeit danach aussieht, hatte noch keinen Berufswunsch, weil der Tourismus war schon des längeren aus dem Rennen. Das weiß ich sicher. Denn immer wenn mich Gäste fragten, was ich danach denn machen werde, war ich so hm mal schauen.

 

Dann traf ich Kashira. Dann traf ich Emy. Wir drei, die Vision einer WG in Wien. Journalismus hatte ich irgendwie zwar schon im Hinterkopf, wusste aber nie so richtig wie ich das anstellen soll. Was für Studiengänge es gab.

Hab den Gästen ab dem drittel meines Vertrags erzählt, wenn sie fragten – und sie waren neugirig, sie fragten oft – dass ich irgendwas in die journalistische Richtung studiere und das in Wien. Obwohl ich weder immatrikuliert war noch eine Wohnung hatte. Und ja ihr Lieben, ich habe das so oft gesagt, immer und immer wieder, dass ich so fest davon überzeugt war, das jetzt einfach zu machen. Einfach durchzuziehen. Überzeugt durchs erzählen. Lets go an dieser Stelle und siehe da wo ich grad sitze und was ich gerade tue.

 

Tschuldigung fürs abschweifen. Das zum Thema vorher nachher. Ich wusste so langsam was ich wollte. Welche Berufsrichtung. Nicht als Tourismuskauffrau in einem Reisebüro sondern irgendwo Geschichten schreiben oder Jugendlichen erzählen wie scheiße Social Media eigentlich für eure Mentale Gesundheit ist.

 

Nun, ich bin wesentlich gelassener geworden. Als ich mit Mama am Flughafen Richtung Ibiza saß, hatte sich unser Flug um eine halbe Stunde verspätet und man wusste nicht, wann es final überhaupt mit dem Boarding losgehen würde. Klar, ist ärgerlich, aber was soll ich machen. Ich möchte hier einen jungen Mann erwähnen, der Gegenüber von uns im Wartebereich saß. Er hat sich aufgeregt. So wirklich richtig deutsch aufgeregt. Das kann doch nicht sein!!! Was für ein Scheiß hier!!! WAS EINE FRECHHEIT!! WARUM DAUERT DAS SO LANGE, DAS KANN DOCH NICHT SEIN!!

 

Das erste was mir in den Sinn kam: er hat verdammt nochmal KEINE AHNUNG. Vielleicht wurde etwas Auffälliges am hinteren Flügel des Flugzeugs entdeckt und Elektriker überprüfen das heraushängende Kabel gerade. Vielleicht haben sich zwei Stewardessen gerade übergeben, weil sie sich einen bereits gärenden Joghurt geteilt haben und suchen gerade schnellstens Ersatz. Vielleicht ist das Computersystem zur Ticketscannung gerade ausgefallen und IT-Spezialisten versuchen das System gerade neu zu starten. Weder du noch ich haben Ahnung, was gerade los ist. Was abgeht. Was der Grund ist. Was vielleicht mehrere Gründe hat. Eine Kette, wo so viele Sachen aneinander reihen. Wenn ein Dominostein fällt, fällt alles in sich zusammen. Und genau das, sich nicht aufzuregen, sich über was zu beschweren, wofür keiner was kann, irgendwelche Sündenbocke suchen die non-existent sind oder eine Person für die lange Wartezeit zu beschuldigen. Tschuldigung, aber das ist wirklich Quatsch. Der Gedankengang: „ach, die Armen am Schalter können auch nichts dafür, hoffentlich werden die jetzt nicht so angemeckert. Ich scrolle einfach weiter durch Instagram, irgendwann wird der Flieger schon abheben. Ich bin ja im Urlaub und hab keinen Zeitstress“ kam erst nach dem Schiff. Denn ums nochmal zu erwähnen: Hört auf euch über Dinge zu beschweren, gegen die ihr machtlos seid. Du kannst nicht ändern, dass das Flugzeug Verspätung hat. Denn du weißt die Gründe nicht. Also benehme dich nicht wie ein kleines Kind, werde erwachsen und wenn du dich beschwerst sei respektvoll mit dem Bordpersonal. Das ist doch nicht so schwer. Menschen erfinden Raketen, die sie zum Mond bringen, Menschen haben Medikamente entwickelt, die dich gegen jegliche Krankheit heilen können, wir erschaffen KI, die mehr weiß als du selbst und wir schaffen es nicht mal geduldig zu sein, Verständnis zu zeigen. Genau das ist es was Menschen fehlt: Geduld. Respekt. Mal durchatmen Mausibär.

 

Auf dem Schiff war das nämlich ähnlich. Ich habe in einem Exklusiv-Restaurant gearbeitet, bedeutet die Gäste mussten zu ihrem All inclusive Reisepreis die Speisen in dem Restaurant zahlen. Dementsprechend war es etwas gehobener, die Preise nicht gerade billig und es sollte einfach alles reibungslos ablaufen.

An speziellen Tagen wie Valentinstag oder Silvester bot unser Restaurant für einen ordentlichen Preis 5-Gänge-Menüs an. Und an diesen Abenden kamen die meisten Beschwerden. Wisst ihr warum? Die Küche hatte noch nie zuvor diese Speisen so schnell und für so eine große Menge gekocht. Die sind gar nicht hinterhergekommen. Haben das Menü bekommen, hier macht mal. Dann gabs auf dem ganzen Schiff keine Pilze mehr. Das Risotto ohne Pilze, unvorstellbar. Der Küchenchef wurde angerufen, Boss was sollen wir tun, er kam, musste eine Lösung herzaubern, die Küche musste das neue Gemüse erstmal auf dem Lager holen, schnibbeln und derzeit aber irgendwie noch die anderen Gerichte kochen, für die Gäste, die sich nicht für das Menü entschieden hatten. Puh.

 

Beim Frühstück brachte ich an den Tisch der Gäste eine dreier Etagere mit Käse, Wurst und Obstteller. Wenn ein Gast jedoch noch einen Obstteller zusätzlich wollte, bekam er das natürlich. Ich wiederum konnte an den nächsten Tisch meine dreier Etagere nicht bringen, weil der Obstteller beim nächsten Set fehlte. So musste ich durch das halbe Schiff laufen, nur um den einen Früchteteller wieder auszugleichen. Ein Gast wollte noch ein Stück Melone? Ich musste in den Backstage verschwinden, den Früchteschneider in dieser RIIIEEEESSSSEEEENN Küche finden, der natürlich auch mal auf dem Klo oder sonstwo war, ihn fragen ob can you please cut melon. Der musste erst ins Lager, eine Melone holen, diese aufschneiden, anschließend einen Teller finden, die Melone schön gestapelt platzieren, dann musst ich noch einen Deckel finden, weil ich offenen Sachen nicht ohne Deckel transportieren darf und dann, nachdem eine Kellnerin für einen Teller Melone 10 Minuten verschwunden war, tauche ich auf und der Gast sagt: das hat aber ganz schön lange gedauert.

 

Ja Mausibär, das hat es. Weil du am aller geringsten weißt, wo ich gerade war und wie das alles abläuft. No hate, wirklich. Wenn ich dort frühstücken würde, würde ich das genauso viel Obst, alles mögliche und nicht anders bestellen. Aber der Gast hat keine Ahnung. Er weiß nicht, wie die Wege zu laufen sind. Das ich wegen jeder Kleinigkeit beim Frühstück in die große Küche laufen muss und diese mir das frisch bringen. Obwohl die Küchenhilfen selber schon beim Vorbereiten fürs Abendessen sind, wisst ihr. Und dann dauert es. Ist mühsam. Aber so ist das halt. Weder ich konnte was ändern, noch der Gast, der sich bei mir für die lange Wartezeit beschwerte.

 

Um dieses Kapitel abzuschließen: durch das Schiffleben habe ich kapiert, dass alles nicht immer rund läuft. Und das ist ok. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Ich gehe in den Supermarkt, die Verkäuferin ist schlecht gelaunt. Vielleicht musste sie krankheitsbedingt die Frühschicht übernehmen, obwohl heute ihr Hochzeitstag ist. Vielleicht hat sie vor 4 Tagen eine Bekannte verloren. Vielleicht hat sie starke Migräne und muss trotzdem arbeiten. Versteht ihr? Ihr wisst nicht, was Sache ist. Also habt Verständnis, Geduld, Respekt. Versetzt euch in die Lage des Gegenübers. Du kannst am allerwenigsten was dafür, dass das Flugzeug Verspätung hat.

 

Das sind so kleine Lessons for Life die die 20-Jährige Michelle, die eigentlich gar keine Ahnung vom Leben hat, euch mitgeben will. Denn der Typ am Flughafen, der hätte mal als Kellner über Weihnachten auf nhm Kreuzfahrtschiff arbeiten sollen. Der würd sich umschauen.

 

Manchmal lernt man es aber auch auf die harte Tour. Springen wir von Karibik, Palmen und MeinSchiff zu meinem zweiten Vertrag voller Stress, Luxus und MSEuropa. Denn auch hier, wow, ja man hab ich mich verändert.

 

Auch körperlich. Der Schlafmangel und der viele Stress, das wenige sporteln und die unregelmäßigen Essenszeiten haben mir wirklich ganz schön zu schaffen gemacht. Was mein Körper enorm gespürt hat. Aber hey, das ist in Ordnung. Ich bin nun mal jetzt erwachsen und mein Frauenkörper hat sich jetzt entpuppt.

Dass viele Drama schieben, das Anzicken, die vielen Arbeitszeiten, die wenige Freizeit, das kennen wir ja alle schon. Fakt ist: du schätzt deine Zeit so viel mehr. Die 10 Minuten nochmal aufs Bett liegen. Die 5 Minuten am Handy. Wie lange du zum Essen brauchst. Zum Umziehen. Haare machen. Verrückt. Du lernst mit Schlafmangel auf extreme Weise zurecht zu kommen. Wenn ich heute mal nur 4 Stunden wegen einer Feier geschlafen habe und am nächsten Tag früh raus muss oder viel vor habe, sag ich mir girl. Das hast du 3 Monate im Dauerzustand hinbekommen. Also raff dich und ziehs durch.

Auch als wir Anfangs in Guatemala, Mexiko, Panama waren. Wo ist mein EU-Roaming, mein Internet wenn ich raus gehe? Mein Studentenfutter von Seeberger, meine europäischen Produkte. Generell meine Brötchen, frischen Brötchen vom Bäcker. Nicht die, die Gäste für die Crew übrig gelassen hatte. Meine Ernährung. Mein Sport. Meinen gesunden Lifestyle. Mein Körper, der mein Tempel ist. Auf den ich doch eigentlich so gut Acht gebe. Das Nichtstun. Ausschlafen, ein Privileg! Ich habe gelernt, mir nicht alles zu Herzen zu nehmen. Ich wurde dort schon sehr hart ran genommen. Ich war halt nicht die jenige, die alle Regeln befolgte. Sondern ich wollte das tun, was ich für richtig und sinnvoll halte. Musste mich unterwerfen, manchmal auch einfach die Klappe halten.

 

Und was man gesehen hat. Wie viele Länder, wie viele Städte. Oh oh, da war ich schon!!!! Unbeschreiblich. 

 

Dort waren so viele erfolgreiche Menschen. Ich wollte auch so wie die sein. Geld haben. Habe mit vielen Leuten gesprochen. Gelernt, dass jeder so fcking unterschiedlich mit Situationen umgeht. Die Welt fcking unfair ist. Beschissen unfair. Ich aber nichts dagegen tun kann. Und mein Schicksal akzeptieren muss.

 

Die Arbeitswelt ist dort eine andere. Viel zu viel Hierarchie. Das ist zum Beispiel was, was ich in Zukunft nicht so haben will. Ich will einen Job, bei dem ich ich sein kann, meine Arbeitsweise geschätzt wird, ich Ideen miteinbringen kann und einfach eine gute Work-Life-Balance habe. Denn die ist mir wichtiger als andere.

 

Die nämlich jetzt gerade perfekt ist. Ich hab nicht so oft die anderen Uni, weiß meine Zeit einzuteilen, kann wirklich oft ins Gym gehen und das kochen worauf ich Bock habe. Es bleibt genug Zeit für meine Kaffeedates, für meine Serie am Abend und meine Bücher am Morgen. Am Wochenende geht’s arbeiten um Geld zu verdienen. Alles supaaaa. Balance 10/10. 

 

Trotzdem erwische ich mich wirklich wirklich oft beim schmunzeln, fast weinen, wenn ich mir die Bilder von MeinSchiff anschaue. Die Karibik, das blaue Wasser. Doch was mir am meisten fehlt, sind die Menschen. Die zu meiner Familie geworden sind. Mit denen ich so viel Spaß habe. Ich erwische mich jedes mal so dolle lachen, wenn ich ein Lied höre, das ich mit Leon beim Moped fahren gehört habe oder mit Lena ein TikTok während der Arbeit gedreht habe. Ich kann nicht aufhören an diese Zeit zu denken. Take me fcking back to Carribean. Gerade jetzt brauch ich so viel Sonne, die es dort genug gab. Ich will alles von dort wieder. 

 

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Tschuldigung an dieser Stelle für meinen langen Text. DAAAMNN ich wusste nicht, das ich so ausholen werde. Aber ich Liebs halt.

 

Es heißt man kommt immer verändert von einer Reise zurück.

Ich kam von zwei Reisen verändert zurück.

Und bin wirklich stolz man.

 

Grüße gehen raus, Ciao Kakao ihr Lieben, bis bald !!!

 

Where is the looooove, where is the looooove?