Was ist vergesslicher als Dankbarkeit?
Ein Leben, das selbstverständlich ist. Das Glück, das dir widerfährt.
Wien, 11. Januar 2026. Diese Psychologiebücher, die ich lesen, die habens ganz schön in sich.
Wenn man Geburtstag hat und als kleines Kind gesagt bekommt „Alles Gute und ganz viel Gesundheit“ wusste ich nie was ich mit dieser „Gesundheit“ anfangen soll. Die hab ich doch schon. Warum wünschen mir meine Familie und Freunde immer diese „Gesundheit“.
Wünscht mir doch viel Geld oder gute Noten in der Schule. Klar ist es doof mal mit Schnupfen und Husten auf der Couch zu liegen, aber dann kocht Mama mir wenigstens das, was ich will und ich muss nicht in die Schule gehen.
Tja, ich weiß nicht ob ich die Einzige bin, die sich das mit ihren 6 Jahren dachte, aber das war mein Gedankengang.
Gesundheit, was ein doofer Wunsch.
Man wünscht sich immer das, was man nicht hat. Menschen mit lockigen wollen kurze Haare, größere Mädchen wären gerne etwas kleiner, kleinere wiederum etwas größer. Schlanke Menschen wollen Kurven, die mit Kurven wollen schlank sein. Es ist ein Teufelskreis. Nie kann man mit was zufrieden sein. Ich bin da kein besseres Beispiel. Du sicher auch nicht.
Doch jetzt betrachten wir deine Wünsche, die du dir tagtäglich vorm Spiegel denkst, mal von einer anderen Perspektive. Weißt du eigentlich, wie scheiße privilegiert du bist, dass du solche Sorgen hast? Dass du dir Gedanken um deine etwas krumme Nase machst, auf die vielleicht eh keiner achtet oder du die Hose von letztem Sommer trotz neuer Kollektion trägt, obwohl das eh keiner bemerkt. Das sind deine Probleme. Die Probleme in unserer Gesellschaft. Probleme, die in unserer Schicht auftreten.
Betrachten wir die Menschen im Globalen Süden, würde sich kein einziger von diesen Sorgen um seine Kurven oder Klamotten machen. Die haben andere Sorgen. Wie ignorant bitte, wenn ich gerne das neue iPhone 17 will, aber nichtmal genug Geld habe, um meiner Schwester ein Packung Reis zu kaufen?
Diese Grundvoraussetzungen. Was war das noch gleich? Ah. Ein Dach übern Kopf, fließendes Wasser, ausgewogene Nahrung, Kleidung und so. Und wir? Alles selbstverständlich in dieser Westlichen Welt, wo die Supermärkte voller als voll sind, Mülltonnen mit Brezeln überquillen, weil sie am Abend keiner mehr beim Bäcker gekauft hat oder ZARA, das jede Woche neue Kollektionen rausbringt. In Wien alleine gibt es 16 H&M Fillialen. Gibt euch das mal? In was für einer Massenwelt wir leben.
Wenn man mal ganz tief in die Materie reingeht und intensiv über all den scheiß nachdenkt fällt mir irgendwie nur ein, dass das alles verdammt unfair ist. U-N-F-A-I-R.
Glück für dich ist eine Eins in Erdkunde zu haben. Ok, du bist nicht mehr in der Schule, schlechtes Beispiel. Glück ist für dich nach Kreta fliegen zu können und zwei Wochen All-Inklusive Urlaub im Süden zu verbringen. Glück für andere ist sich ein Brot mit Butter schmieren zu können.
Ich hab neulich ein Buch gelesen, dass ich euch herzlich empfehlen kann. „Die Nachtigall“. Zwei Schwestern, die sich unterschiedlich durch den zweiten Weltkrieg boxen. Da kam der Reality-Schub. Es gab nichts zu essen. Du hattest etwas zu sagen? Halts Maul oder ab ins KZ. Tschuldigung für die Wahrheit, aber die Wahrheit ist manchmal scheiße. Sehr oft sogar.
Ich werf mal das Wort Dankbarkeit in den Raum. Ob du das schonmal gehört hast, na sicher. Ob du dir gedacht hast, ja ich bin doch eh total dankbar für alles und so? Na sicher.
Mein Freund ChatGPT war so nett und hat mir erzählt, es gäbe ca 3000 bis 3500 Milliardäre auf der Welt. Ich gehöre nicht dazu. Du auch nicht.
Diese ganze Horde an großkotzigen reichen Männer, die offensichtlich die Mehrheit (86,6%) an Milliardären ausmachen, könnten ganze Schulen und Universitäten bauen- Ärzte, die wirklich helfen wollen, gescheit bezahlen, damit sie in Afrika etwas bewirken können und Dinge machen, die WIRKLICH was nützen, anstatt nur zuzusehen wie wir im Reichtum schwimmen, die Ärmeren aber untergehen. Arme Menschen, die für 50ct die Stunde deine Klamotten nähen. Sich versuchen über Wasser zu halten. Schwimmen zu lernen. Um zu überleben. Nicht unterzugehen. Wir haben schon längst die Luftmatratze, chillen mit unseren Pina Coladas da drauf und reichen denen, die am ertrinken sind, nicht die Hand. Sorry, da ist kein Platz mehr für dich auf der Luftmatratze.
Während du dich beschwerst, dass deine Luftmatratze blau ist aber du eigentlich eine grüne wolltest, sind andere froh, wenn sie überhaupt eine hätten. Ich bin sicher ihr habt alle meine Metapher verstanden.
Ja, die Welt ist unfair. Was ein rotz aber auch, dass mein Latte Macchiato mit Hafermilch und nicht mit Sojamilch von der Kellnerin gebracht wurde. Man man man.
Hier meine Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb ist der Beweis, dass die Sorgen, die du hast, wenn du eine falsche Bestellung bekommst oder morgens mit schlechter Laune aufwachst, weil du den ganzen Tag lernen musst, ein Privileg ist. Ein Privileg. Unsere Probleme. Die wünschen sich einige.
Ein Privileg, sich nicht für ein Gericht im Restaurant entscheiden zu können. Ein Privileg, Mango im Supermarkt kaufen zu können. Ein Privileg, in Italien Urlaub zu machen. Ein Privileg zwei funktionierende Beine zu haben, das Lächeln deiner Freunde zu sehen und mit deinen beiden Händen alles was zu willst kochen zu können. Uns fehlt es an nichts. Gar nichts.
Unsere zerbröckelte Welt ist schwer wieder hinzukriegen. Krieg hier, Krieg hier da. Die zahlreichen vergessen Kriege. Sudan. Stell dir vor, die dürfen morgens nicht aus dem Bockspringbett aufstehen und erstmal eine Dusche nehmen sondern welzen sich auf dem dreckigen kalten Boden, haben Angst, die Augen zu schließen und würden alles für ein bisschen Brot tun, dass bei uns eh nach zwei Tagen in der Tonne landet.
Erst, wenn du etwas mal nicht hast, schätzt du etwas im Nachhinein umso mehr. Aber immer nur kurz. Eine Woche Magen und Darm? Oh wow. Gesund sein, dass ist ja doch was tolles. Eine Woche später nimmst du das wieder for granted und denkst nicht weiter drüber nach. Klar, geht jedem so.
Aber scheiße, checkst du wie gut es dir eigentlich geht? Dass du per Zufall in einer Demokratie geboren bist, per Zufall die deutsche Staatsbürgerschaft hast, per Zufall bestimmt Mindestlohn bekommst und du dir jederzeit eine Ibu in der Apotheke holen kannst. Wenn du Bauchweh hast kannst du innerhalb einer Stunde deinen Blinddarm im Krankenhaus rausbekommen, weil er entzündet war. Sonst wird's kritisch. Normal, weil Gesundheitssystem und so.
Und jetzt sag danke, wenn deine Gratulation „Gesundheit“ enthält. Und nicht das neue Iphone 17. Denn Gesundheit, laufen gehen zu können, Vitamine durch abwechslungsreiche Nahrung aufnehmen zu können, das ist Reichtum. Reichtum, der wirklich in deinem Leben zählt. Denn du hast Glück. Dass du hier und jetzt solche Probleme hast.
Dass deine Existenz so ist, wie sie gerade ist.
Vergiss das nicht.
Denn was ist vergesslicher als Dankbarkeit? (Friedrich Schiller)
Danke Mausis, ciao kakao, nehmt was mit von meiner Lesson for Life, seid happy (ich weiß is manchmal tough), Grüße gehen raus und bis zum nächsten Mal !! ☀️
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