Als die Sonne den Tag verließ
ein normaler Donnerstag, der kein normaler Freitag war
Wien, 23. November 2025. Viel zu kalt draußen
Dass ich am Donnerstag auf Freitag Nacht, nein eigentlich schon Morgen, um 5:33 Uhr einen Uber nach Hause genommen habe, um hundert Euro reicher und einer bestandenen Prüfung in der Tasche, werde ich jetzt weiter erläutern.
Ich wurde am Dienstag gefragt, ob ich denn nicht am Donnerstagabend für 25 Euro die Stunde bei einem privaten Event ein bisschen kellnern will. Ein Self-Made-Millionär feiert eine After-Show und die High-Society wird vertreten sein.
Also sowas lasse ich mir ja nicht entgehen, hallo.
Bescheuert oder nicht, aber davor hatte ich um 20 Uhr, als die Sonne den Tag schon seit 4 Stunden verlassen hatte, eine mündliche Prüfung über Urteils - und Bewertungsprozesse in der Medienlandschaft. Ehrenlose Texte die wir dazu lesen mussten, aber ich hab mich und meine Freundin durchgeboxt. Noten gibts nächste Woche.
Fertig mit der Prüfung, meine Bluse schon unter dem Pulli angehabt, damit ich später Shine Bright Like A Diamant bin, fuhr ich zum Naschmarkt, wo der gute Doktor seine private Bar hat, unwissend was mich erwartet. Offensichtlich.
Nachdem ich mir seine selbst produzierten Gins studiert hatte und im Kopf die Prüfung inklusiver Antworten nochmal so um die 16 mal durchgegangen bin, kamen gegen halb 11, als die Sonne den Tag schon seit 6,5 Stunden verlassen hatte, die ersten Gäste.
Stereotypisch: die Herren gegeelte Haare, Brillen mit markantem Gestell. Die Damen in Pelzmäntel und geschneiderten Kleidern. Es roch nach Reichtum.
Der gute Doktor hatte bei einer feierlichen Zeremonie seine Mitarbeitenden ausgezeichnet, alle waren bereits gut dabei und nun sind alle noch in seine private Bar, um eben noch mehr gut dabei zu sein. Haben sie auch alle gut hinbekommen. Dass die Upper Class ja saufen kann wie sonst was, wusste ich ja bereits durch meine Luxuskutter-Erfahrung.
Wauw ist das kraizyyyy.
Die Stimmung war mittlerweile locker, total gelassen, jeder hatte sich mit jedem angefreundet.
Der Organisator sagte nachdem wir ein bisschen gequatscht haben zu dem, der mich vermittelt hatte: Daniel, das ist ja gar kein Mauerblümchen.
Ehrlicherweise wusste ich nicht, was ein Mauerblümchen. In meinem Kopf machte ich mir gleichmal eine Notiz zu googlen was das ist, sobald ich die Chance habe, ans Handy zu gehen. Diggi, hoffentlich nicht irgendwie ein hübsches Mädchen, weil dann wär ich angefressen gewesen.
ALLE haben gesoffen. Außer ich. Die Gäste, wo einer schon vom Stuhl gefallen ist, hatten Spaß, Daniel erzählte dem Doktor, dass ich auf nhm Luxuskutter gechillt hab, wir haben laut Halleluja gesungen und um (pi mal daumen) halb 4, als die Sonne den Tag schon seit 11,5 Stunden verlassen hatte, sind alle gegangen. Aber ehrlich gesagt keine Ahnung, weil no Zeitgefühl ja.
Es war ein Fiebertraum. Der ganze Abend. "Michelle, du bist die einzig nüchterne hier. Schau das der Schlüssel hinterm Blumentopf später liegt, damit die Putzfrauen dann reinkommen." Ich so yolo, alles klar Brudi.
Um halb 5 nachts, als die Sonne den Tag schon seit 12,5 Stunden verlassen hatte, durfte ich nh Spritztour mit dem roten Lastwagen machen, der umgeparkt werden musste. Hatte ja als einzige no alcohol in se Blut. War cool mal wieder Auto zu fahren.
Wild. Alles wild. Als die Organisatoren, drei middle aged Männer dann in der Bar sich einen gezogen haben und über ihr Leben erzählten während die 20 Jährige Michelle Gläser polierte und die Bar putzte war ich mir bewusst, dass mein Leben legit nicht besser sein könnte. Ich als einzig nüchterne zwischen drei wirklich respektvollen lieben Männer, die mittlerweile schon im DeepTalk waren. Es war wirklich zu schön.
„Michelle, du erinnerst mich irgendwie an einen Velozeraptor.“ Dann zeigt mir der Organisator einen Ausschnitt aus YouTube von Jurassic Park, um mir die passende Passage zu zeigen, wo der Dinosaurier vorkommt, um das Video zu stoppen, das Bild neben mich zu halten und zu sagen, er sehe die Ähnlichkeit. Mein Kommentar war eher lachend „weiß ja nicht“. Die Situation war zu lustig.
Um sich zu erklären, meinte er auf süß, du siehst so gesund und stark aus. Kein Kommentar zu meinem Äußerlichen. Nicht dass ich hübsch aussah. Nichts abwertendes oder ekelhaftes über den Körper einer jungen Frau. Sondern, dass ich gesund aussehe. Und das hat mich wirklich gefreut. Damit konnte ich leben. So was hatte noch nie jemand zu mir gesagt. Mal ein anderes Kompliment.
Kurz nachdem ich fertig war, rief mich Daniel nachhinten und meinte, er habe noch etwas Trinkgeld für mich. „Der Herr Doktor hatte nur einen Hundert-Euro Schein“.
Okay scheiße, nehm ich.
Nun, als es so 5:33 Uhr war und die Sonne den Tag schon seit 13,5 Stunden verlassen hatte und die U-Bahnen auch schon fast wieder in Gange waren, wollte ich mit dem Nachtbus heim fahren. Taxi war mir zu teuer.
„Michelle hast du Pfefferspray dabei?“ Ich so nee, und machte so eine Boxbewegung und meinte ich box die wenn die kommen. Der Organisator meinte er habe noch ein Pfefferspray in seinem Auto, ich solle mitkommen, dann gibt er mir eins. Also begleitete ich ihn raus.
„Sorry Michelle, ich habe doch keins. Nur ein 10cm Küchenmesser.“ Ich schon wieder so am Lachen weil alle high und besoffen waren konnte gar nichts mehr. Ich so „alles gut, ich packe das schon“.
Aber ich durfte nicht. Ich durfte nicht nach Hause fahren. „Michelle du holst dir jetzt ein Taxi. Ich bezahls auch.“
Ich wollte trotzdem nicht, ehrlich. Aber ich musste.
Der Organisator drückt mir drei Scheine in die Hand, fragt, ob sich das so ausgehe und ich stehe wortlos mit dem Geld da. Ich so „bitte ich kann auch Nachtbus fahren“.
„Michelle, wenn ich eine 20 Jährige Tochter hätte und mit dir irgendwas jetzt passieren würde, dann würde ich mir das niemals verzeihen, hörst du. Hol die jetzt bitte ein Taxi, ich meins ernst“
Er meinte das Ernst. Also nahm ich dankend und anstandsvoll das Geld und rief mir ein Uber. Alle haben sie sich um mich gekümmert. Das fand ich schön.
Um 6 Uhr, als die Sonne den Tag schon seit 14 Stunden verlassen hatte und bald wieder den Tag erblickte, ging ich frierend und komplett übermüdet ins Bett. Und war glücklich, diese Nacht erleben zu dürfen. Weil alles so toll, witzig, verrückt und kraizyyyy war.
Ja das ist mein Leben. Normaler Donnerstagfreitagabendnachtmorgen eben. Ach ja. Wien hat halt immer was neues für die Michelle. Ich steh drauf.
Ciao Kakao ihr Lieben, Grüße gehen wieder raus an euch weil ich euch alle lieb habe und hoffe ihr enjoyed meine Lebensgeschichten und es ist nicht zu langweilig. Feedback wie immer gerne gesehen. Bis bald Mausis!!!
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