Haftbefehl-Doku

wie man so kaputt ist, obwohl man alles hat

 

Ich gebe ja meinen Senf echt gerne irgendwo dazu. Deswegen gibt es heute meinen Ketchup über die Doku „Babo- die Haftbefehl-Doku“.

 

Wenn ihr etwas im Internet aktiv seid oder regelmäßig Nachrichten lest, ist das gerade ein ziemlich großes Thema. Auf Netflix läuft seit ein paar Tagen die Dokumentation „Babo“ über den deutschen Rapper Haftbefehl, in dem Teile seines Lebens gezeigt werden. Es geht vor allem über seine Kindheit in Frankfurt-Offenbach, die von Drogenkonsum und dem Suizid seines Vaters geprägt wurde.

 

In der Debatte steht aktuell auch, ob Haftbefehls Lyrics im Unterricht, ähnlich wie Goethe, durchgenommen werden soll. Sie zeigen die Realität. Wie Kinder in ärmlicheren Verhältnissen aufwachsen. Die am Rande einer Gesellschaft leben. Aber das ist wieder eine andere Diskussion.

Ob man das gut oder schlecht heißen mag, liegt bei jedem selbst.

 

Die Doku, die laut tz schon mehr als 4,1 Millionen Menschen gesehen haben[1], liegt mittlerweile auf Platz 1 unter den Filmen auf Netflix.

 

Nun kommen wir zum eigentlichen Punkt. Warum macht ein Rapper, der alles in seinem Leben erreicht hat, nicht endlich mal einen Cut? Ein Rapper, der tief startet, hoch landet und doch wieder tief fällt. Auf ab, Auf ab, auf ab. Warum?

 

Er betont oft, er liebe die Musik. Er kann sich mit ihr ausdrücken, die Realität offenbaren. Und am Anfang habe ich wirklich sehr großes Mitleid mit ihm. Er hat sein Vater grausam verloren, ist in einer schlechten Umgebung aufgewachsen und musste die Vaterrolle für seine Geschwister übernehmen. Nichts derartig sollte ein Kind, ein Jugendlicher in seinem Alter durchmachen.

Er schafft den Durchbruch. Die Menschen lieben ihn. Alles schön und gut. Was aber nie schafft: mit dem Koksen aufzuhören.

Und da streubt sich ein bisschen Wut auf in mir. Er hat Kinder. Zwei. Noah und Aliyah. Eine Frau, die praktisch alleinerziehend ist, wie sie selbst berichtet[2]. Ich wäre als Frau schon lange weg. Doch sie hält zu ihm. Wie auch immer sie das schafft. Er hat Verantwortung. Aber kümmert sich ein Dreck drum.

 

Als er mit einer Überdosis in Krankenhaus gebracht hat, lässt er sich nicht helfen. „Es war soweit, dass sie Aykut (Haftbefehl) wiederbeleben mussten“. Das sieht man in der 69 Minute. Es war wirklich ernst. Nachdem er nach seinem Suizidversuch im Krankenhaus aufwachte, war er wütend, schlug um sich. „Dann bin ich raus und hab weitergemacht. Direkt wieder 10 Gramm“.

 

Wisst ihr, er hat genug Geld. Und nochmal: Eine Frau die in liebt, Kinder die ihn lieben. Brüder, Freunde. Ja, er hat Scheiße erlebt. Ja sein Vater und genügend weitere Familienmitglieder haben sich umgebracht. Suizid begannen. Aber er könnte derjenige sein, der dem Ganzen ein Ende bereitet. Das hat auch Alicia Joe in ihrem Video erwähnt[3] (Ich liebe sie, große Empfehlung, was Meinungsbildung angeht). Dieses Leid in seinem Stammbaum kann er stoppen. Wieder ein Vorbild für seine Kids sein. Und trotzdem. Macht. Er. Nichts.

 

Er hat die Möglichkeiten, wisst ihr? Aber wenn man als Ehefrau Urlaub bucht und schon damit rechnet oder einplant, dass er eh nicht kommt, ist das meiner Meinung nach nicht das Wahre. Minute 40 der Doku: „Wenn er sagt, ich komm jetzt mit in den Urlaub, dann richte ich mir das so ein, dass er nicht kommt:“ Er lässt sie im Stich. Und er weiß das auch.

 

In der 75 Minuten sieht man ein Bild von ihm und seinen Kindern. Er stellt sie namentlich vor. Und dann erkennt man, offenbart er, wie er sich sieht. Als ein Stück Dreck. „Links ist der Dreck. Ich, Dreck“.

 

Das ist so traurig. Man will ihm helfen, aber wie wir gelernt haben, lässt er sich nicht helfen. Seine Kindheit war heavy, keine Frage. Aber girl, nimm doch die Hilfe an. Du hast die Ressourcen, hol dir die Hilfe. Man sieht so kristallklar, wie kaputt er ist. Schlafmangel, Zigaretten. Drogen. Man hört ihn husten, das sich nicht gesund anhört. Er lässt sich vor seiner Show eine Infusion geben. „Ich war schon tot“.

 

Mit am traurigsten und herzergreifend fand ich auch, als sein Sohn sagt: „Papa ich bin stolz auf dich.“ Und was macht er? Glaubt ihr er sagt danke mein Schatz hab dich lieb? Nein. Das Gespräch läuft per Videoanruf und er zeigt nicht sich selbst und antwortet seinem Sohn nicht, sondern zeigt einfach mit der Innenkamera auf das Kamerateam und antwortet „ist das so? Wo ist Aliyah?“.

Oh man. OH MAN. Wo ist die Liebe, die Dankbarkeit. Das, was er nie bekommen hatte, kann er jetzt zurückgeben. Und er tut es nicht.

 

Okay okay, ich höre jetzt auf. Dass Haftbefehl ein unzuverlässlicher Mensch ist und ich wirklich viel Kritik an ihm und seiner Persönlichkeit geübt habe, ist offensichtlich. Und bevor dieser Doku muss ich gestehen, hatte ich ihn nie so richtig auf dem Schirm.

Schaut euch die Doku einfach an. Und bildet euch eure eigene Meinung.

 

 

Puuuhhh, danke fürs fertig lesen, Grüße gehen raus, Ciao Kakao und bis bald!!!

 

 

[1] https://www.tz.de/stars/an-netflix-wahnsinn-so-viele-fans-sahen-die-haftbefehl-doku-zr-94024441.html

 

[2] https://www.tvmovie.de/news/nina-anhan-die-frau-von-haftbefehl-ist-der-wahre-star-von-babo-das-wissen-wir-ueber-sie-153626

 

[3] https://youtu.be/AQ6UDrtE-W8?si=rgIxOK9wVejuu4BP

 

 

Spieglein, Spieglein an der WandIch guck' dich an, doch wer ist dieser Mann verdammtVerliere ich meinen Verstand?Du bist doch ein Spiegel, doch wer ist dieser Mann?Ich hab' ihn nicht erkannt

- Haftbefehl