Reflexion und Selbsterkenntnis

Selbstkritik, die ich hier übe.

 

Wien, 11. März 2026. Ein Text, um mit all dem abschließen zu können. 

 

Ich bin eine Person, die alles verarbeitet, indem sie Dinge aufschreibt. Dinge reflektiert, damit sie mit einem Thema abschließen kann. Deshalb schreibe ich diesen Artikel hier und jetzt. 

 

Es ist immer der Austausch mit Menschen, der mich Sachen erkennen lässt. Und so vielleicht auch, dass diese Reise, unabhängig davon was dort geschehen ist, einer Reflexion bedarft. Die ich jetzt mit euch teilen möchte. 

 

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll. Dubai steht, wie ich bereits gesagt habe, zurecht in der Kritik. Meinen Trip also damit rechtzufertigen, dass ich "nur eine Stadt sehen wollte, vor allem was die Menschheit krasses bauen kann" macht mich trotzdem irgendwie selber zum Problem.

 

Und das frisst mich irgendwie gerade auf. Deswegen möchte ich dass ihr das hier lest.

 

Ich habe Werte. Werte, die mir extrem wichtig sind. Ich stehe auf wenn mir was nicht passt, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Wenn irgendwas meiner Meinung nach nicht richtig läuft. Habe eine starke Meinung, die ich gerne vertrete. 

 

Selbstkritik ist sehr wichtig. Und die möchte ich hier voll und ganz an mir selber üben. 

Bevor ich nach Dubai ging, war das schon alles in meinem Hinterkopf. Das Regime, die Regeln, die Arbeiter, die Menschenrechte. Zu sehr leiten hab ich mich von dem Gefühl der Sonne und der Reiselust. Zu sehr blenden lassen von dem Luxus, dem Extremen, eine Stadt der Superlative. Anstatt intensiv zu Recherchen, drüber nach zu denken, ob das moralisch fein ist. Das alles mit meinen Werten übereinstimmt.

 

Angefangen hatte alles damit, dass es mir irgendwann schon fast peinlich war zu sagen, dass ich gerade einen von denen bin, die in Dubai festsitzt. Eigentlich wollte ich nur einen Solotrip machen. Aber es wurde so viel mehr daraus.

Vor meiner Reise hatte ich schon viele Side Eyes bekommen. Da war ich noch eher auf der Schiene, egal was die anderen sagen Michelle, zieh dein Ding durch. Man kann es nie allen Recht machen. 

 

Es ist ein richtiger Zwiespalt. Zum einen bin ich privilegiert in jedes Land reisen zu können, so auch in dieses. Ich bin ein total nachdenklicher und reflektierter Mensch. Will also selber urteilen können, nachdem ich etwas erlebt habe. Zum anderen muss man auf politische Situationen achten, bewusst Dinge tun.

Das Bewusstsein unterstreiche ich hier nochmal!!!

 

Ich bin nicht naiv nach Dubai gegangen. Okay, ein bisschen schon. Hab mich von der Glamour-Welt verführen lassen, war beeindruckt von einer Mega-Stadt, die alles im Griff zu haben scheint. Aber wenn man hier Kritik übt, dann kann man dasselbe auch auf den Malediven, Bali etc. tun. Denn es gibt immer irgendwas, was nicht korrekt läuft. Man kann immer irgendwo etwas negatives finden. Wichtig ist in meiner Hinsicht, wie ich als Mensch, die sich ein Weltbild machen will, damit umgehe. 

 

Ich bin eine Touristin, die sich ein eigenes Bild von Situationen machen will.

Mein eigenes Bild von der Stadt konnte ich mir machen. Habe gesehen wie die Arbeiterkolonnen in Bussen zur Baustelle gebracht werden, sie erzählten, dass sie 18h ohne einen Tag frei arbeiten. Mit den Mitarbeitern dort gesprochen. Den Taxifahrern. Den Bedienungen im Hotel. Die meinten ihre Situation hier ist immer noch besser als zu Hause in ihrem Heimatland.

 

Das ist zwar ein schlechter Vergleich, aber dann müsste man auch bei Kreuzfahrtschiffen anfangen. Ich war und bin selber Crew, natürlich gehe ich aus ganz anderen Gründen aufs Schiff wie meine Kollegen, aber hier gibt es auch einiges, das falsch läuft. Das darf man zurecht auch kritisieren. Aber wo ist das Ende. Wo ist der Anfang?

 

Und trotzdem gehe ich aufs Schiff und weiß, dass ich und meine philipinischen Kollegen für einen Hungerlohn arbeiten. Wie gesagt, ich kann mich nicht mit ihnen gleich stellen. Ich mache das aus Spaß, die Balinesen und Phillipinos um ihre Familie zu Hause zu ernähren. Weiß aber auch, dass das immer noch viel viel mehr ist, als das sie daheim verdienen. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig. Ich weiß das. So wie in vielen Teilen dieser Welt.

 

Als sich Social Media zum Zeitpunkt des Angriffes über die Influencer und die Touristen, die dort festsitzen das Maul zerrissen hatte, hab ich mich selten so dermaßen Scheiße gefühlt. Vor allem als die ganzen Nachrichtenkanäle und Instagram die Influencer so enorm gehatet haben, dachte ich mir: Michelle, du kannst es jetzt nicht bringen über die herzuziehen - wie ich es wahrscheinlich auch gemacht hätte, wenn ich zu dem Zeitpunkt eine außenstehende Person gewesen wär.

 

Denn Michelle, irgendwie bist du kein Stück besser. 

 

Spätestens da hab ich Tag für Tag über Gott und die Welt nachgedacht. Ich wollte hier raus, Leute schrieben in den Kommentaren, die ich natürlich viel zu viel gelesen hatte, dass man selbst dran schuld ist, wenn man gerade hier festsitzt. Das hatte die Sache nicht besser gemacht. Hat mich nur noch schlechter fühlen lassen. Das wollte ich alles in meiner Lage, dieser Situation nicht hören. Wollte diese Lesson im Nachhinein gesagt bekommen und nicht jetzt.

 

Generell die Kommentare waren böse. Die Medien hatten das Thema so enorm aufgerollt, alles was mit dieser Stadt zu tun hatte war polarisierend. Über die Influencer wurde hergezogen, böse geredet. Es kamen Sachen auf, diese Propaganda Videos, die von vorne bis hinten suspekt sind. Das Influencer Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben müssen war mir neu. Lies mich komplett anders über die Sache denken. Das Thema Dubai war soooo im Fokus. Mein Algorithmus, gerade weil ich auch in dieser Situation war, war voller Dubai-Content. Und ich konnte dem nicht entkommen. 

 

Ich war Teil des Problems. Habe Angst, dass mich Leute jetzt irgendwie anders sehen. Als eine Person, die untreu zu ihrer Meinung und ihren Werten ist. Weil sie in solch ein Land gereist ist. 


Ich würde nicht direkt sagen, dass ich diese Reise bereue. Das was geschehen ist, ist das eine. Aber die Erkenntnis, die ich gewonnen habe, den Stellenwert, dass ich urteilen kann, weil ich es eben mit eigenen Augen gesehen habe, mit den Menschen vor Ort gesprochen habe. 

 

Ich übe hier, wie gesagt, extrem Selbstkritik. Ich bin erst 20 und hab noch viel zu lernen. Eingeständnis ist der erste Schritt. Denke ich. Ob die Reise richtig war? Keine Ahnung, ich kann nichts rückgängig machen. Ob ich viel anders, viel bedachter und kritischer dem Thema Dubai und dem Regime dort gegenüber stehe? Zu tausend Prozent. 

 

Nun, ich kann das Geschehene nicht ändern. Wollte mir ein eigenes Bild aus der Stadt machen, hab das getan, gehe noch reflektierter aus der Sache raus. 

 

Ich verfasse das hier wahrscheinlich deshalb, um mit der ganze Sache abschließen zu können. Um mein Gewissen reinzuwaschen. Um mir selbst klar zu machen, dass Erkenntnis und Reflexion, bedachtes und sensibles Reisen mit Hintergedanke enorm wichtig ist. Und man immer schlauer aus Reisen zurück kommt. So wie ich auch aus dieser. 

 

Ich bin immer noch der selbe Mensch. Blicke in vielerlei Hinsicht anders auf die Stadt. Auf mich. Auf das Geschehene. Aber auch irgendwie gerade deshalb weil ich da war und mir mein Bild machen konnte. 

 

Diese Reise ist passiert. Ich habe enorm viel erlebt, wünschte ich hätte das nicht. Wünsche das keinem.  

 

Mir ist das enorm wichtig euch mitzuteilen. Um hoffentlich bald ein Hacken hinter all das zu setzen. Will das doch eigentlich nur alles vergessen. Aber so läuft der Hase nunmal nicht.

 

Nach so einer Sache sieht man Europa anders. Sein zu Hause. Sicherheit hat einen ganz anderen Stellenwert. 

 

Ich bin sehr offen, das wisst ihr. Und man kann jederzeit Kritik an meinem Geschrieben äußern. Wenn man das mit Respekt und Anstand tut, sensibel mit seinem gegenüber umgeht, freue ich mich über alles, was ihr zu sagen habt. Das wisst ihr auch. Denn so kommen Diskurse auf Augenhöhe zustande.

Es lässt mich reflektierter werden und öffnet mir Gedankengänge, die ich mir vorher vielleicht nicht eingestehen wollte. Bin für jede Meinung, Kritik dankbar und schätze es sehr, wenn ihr euch Zeit nehmt.

Man kann es nie einem Recht machen. So werden die einen denken, Michelle entspann dich, es war nur eine kleine Reise, du bist keinem was schuldig. Die anderen jedoch canceln mich dafür und sind enttäuscht, weil ich in Dubai war und das doch gar nicht zu meiner Einstellung passt.

Und somit haben beide Recht. 

 

Denn ich will einfach mit der Sache hier und jetzt abschließen. Will zeigen, dass ich erwachsen bin.

 

Das war meine Reflexion. Erkenntnis. Schlussfolgerung. Was ich euch noch auf eurem Weg mitgeben wollte.

Aber seid nicht zu streng. Weder mit euch selber, noch mit jemanden anderen.