Dubai
kam alles irgendwie anders
auf dem Weg nach Wien, 10. März. Der Artikel ist lang und intense.
Irgendwie hat gerade jeder eine Meinung über den Ort Dubai. Das Regime, die Geschehnisse dort. Was ja auch vollkommen legitim ist. Nun, ich glaube ich möchte euch einfach meine Seite des Passierten erzählen: wie alles angefangen hat, wie die Situation war, wie ich mich gefühlt habe.
Ich möchte mich aber echt nicht wichtig reden! Ich möchte das ihr das hier liest, seht wie es für mich war. Es gibt zu tausend Prozent Menschen, die das alles viel schlimmer wahrgenommen haben, Menschen, die immer noch dort sind, Menschen, die gerade überall im Nahen-Osten gerade ihr zu Hause verlieren. Oder ihren eigentlich sicheren Arbeitsplatz in der Tourismusbranche. Der Krieg und sein hoffentlich baldiges Aufhören steht im Vordergrund.
Falls ihr die Schnauze voll von dem ganzen Dubai-Content habt, ist das natürlich auch völlig in Ordnung. Social Media und die Medien generell zerreissen sich gerade das Maul über die Influencer dort und wenn da jetzt noch die Michelle kommt und auch noch was zu sagen hast, reichts mir langsam - vollkommen berechtigt.
Ich war nur eine Touristin, die jetzt wieder daheim ist. Und hab deshalb hab ich echt leicht reden.
Nun, ich denke ich fange einfach mal an.
Ich hatte Opa gefragt, in welches Land ich denn als alleinige Frau hinreisen kann, wo es für mich sicher ist, wo ich keine Angst haben muss. Wo es warm ist, ich besten Falles Sightseeing und Strand verbinden kann. "Michelle, du musst unbedingt nach Dubai!"
Gut, ich war am Anfang etwas skeptisch, weil ich wusste, dass es ZURECHT sehr viel Kritik an dieser Stadt gibt. Das wir vollkommen bewusst, dass will ich nicht leugnen. Trotzdem habe ich mich dazu entschieden, mir ein eigenes Bild dieser Stadt machen zu wollen, als Touristin fünf/sechs Tage zu bleiben, Sightseeing zu machen, bestaunen, was die Menschheit in so kurzer Zeit bauen kann, wie von einem Fischerdorf eine Wüstenstadt wird. Dubai von meiner Städteliste abhacken, sehen was meiner Meinung nach falsch und richtig dort läuft und fertig aus.
Ich hatte mich auch bewusst dazu entschieden mit Emirates zu fliegen, weil ich nur positives von dieser Airline gehört hatte und wollte die volle Experience erleben. Was sich im Nachhinein als total richtig herausgestellt hatte, sonst wäre ich nämlich immer noch nicht zu Hause.
Mein Hotel war in der Nähe des Burj Khalifas. Burji haben wir ihn liebevoll getauft. Der Blick von unserem Pool auf das Wahrzeichen der Stadt war wirklich atemberaubend. Egal, wo du in Dubai warst, er ist so riesig, dass er immer und überall herausragt.
Ich bin vom 26 auf den 27 Februar über die Nacht dorthin geflogen, kam am 27 dort sehr früh gegen 7 Uhr an, hatte noch meinen Kollegen von MeinSchiff gesehen, den ich am Hafen getroffen hatte. Dann habe ich einen Phillipino kennengelernt, er hat auf MSC gearbeitet und mich den ganzen Weg zu meinem Hotel begleitet, meinen Koffer geschoben und gewartet bis ich eingecheckt habe. Wir haben so viel über Schiff geredet, da hatte ich mich gleich wieder richtig wohl gefühlt.
Mittags noch im Pool und frischgeduscht bin ich am Abend mit der Metro zu Burji gefahren, war in der Dubai Mall und hatte mir die Lichter und Fontaine-Show angeschaut.
Da ich die Nacht kaum geschlafen hatte, hab ich am 28 ausgeschlafen, ich hatte eh ohne Frühstück gebucht, dann ging's mit der Metro Richtung Dubai Marina, wo ich ein bisschen geschlendert bin, mir meinen Kaffee und ein Halloumi-Sandwich geholt habe und um 15 Uhr eine Yacht-Tour für 18,71€ auf GetYourGuide gebucht hatte. Wir sind durch das Hafenviertel gefahren, die Dämmerung ist schon eingebrochen, es war wirklich toll.
Am Strand hab ich den Sonnenuntergang angeschaut, doch kurz davor war bereits schon der erste Knall den ich gehört hatte. Natürlich hatte ich zig Leute gefragt, ob sie denn mehr wissen, was das war, aber als die eine Spanierin meinte "USA attacked Iran, we think it has something to do with it" war ich beunruhigt. Sehr beunruhigt.
Am Strand hatte ich noch mit Papa telefoniert ob er denn mehr weiß. Als ich abends nach Hause ging, fielen drei weitere Schüsse, eine Freundin, die in Dubai wohnt, meinte Michelle, geh besser jetzt in dein Hotel, spätestens da wusste ich irgendwas läuft hier gerade gewaltig schief.
Im Hotel hatte ich dann per Nachrichten erfahren, dass alle Flüge gecancelt wurden, hatte mich bei ELEFAND registriert, hatte mit meinen Eltern telefoniert, wusste nicht was ich tun sollte, ich war alleine, ich hatte ehrlich Angst. Als es dann gegen späten Abend wurde, wollte ich etwas Fernsehen um mich abzulenken. Allerdings ging das Internet nicht. Auf dem Gang hab ich dann Schritte gehört und dachte mir, okay Michelle geh jetzt raus und frag ob die auch Probleme mit dem Internet haben. Vielleicht kannst du ja auch mit Leuten connecten.
Und so habe ich die Familie getroffen. Chiara, das Mädchen auf dem Gang, und ich haben ca 5 Minuten auf englisch mit einander geredet, bis sie erzählt hat, dass sie eigentlich morgen auf ein Cruis ship gehen würden, ich gefragt habe "ahhh, meinschiff" und meine deutsche Ausdrucksweise mich da spätestens verraten hatte. Dann haben ihre Schwester und deren Freundin aus dem Zimmer gelunst, ich hatte ein paar Infos von MeinSchiff durch meine Kollegen dort, mit denen ich die ganze Zeit geschrieben hatte und so kamen wir ins Gespräch, tauschten Instagram aus, falls was ist, kann ich einfach klopfen, deren Zimmer war genau gegenüber von mir.
Ich hatte mir Türkisch für Anfänger runtergeladen, das 10 Minuten geschaut, bis meine Äuglein dann zugefallen sind. 2 Minuten später hörte ich einen massiven Knall, eine Sekunde später kam der erste Notfallalarm auf mein Handy. Ich hatte selten so viel Angst wie in diesem Moment.
In meinem langen Tshirt, meinen Adiletten und meinem Handy bin ich sofort rüber zu den anderen, wollte alles nur nicht alleine sein. Wir waren überfordert, wussten nicht was wir tun sollen.
Als ich auf dem Gang einen älteren Herrn getroffen hatte, meinte er geht auf keinen Fall runter an die Rezeption, da sind nur schreiende Kinder und Menschen. Machte die Sache nicht besser.
Danach hab ich mir gedacht, ok, scheiße. Ich musste mich bei den Mädels ja auch erstmal vorstellen. "Achso ja, ich bin übrigens die Michelle".
Mir war klar, dass ich auf keinen Fall zurück in mein Zimmer kann. Ich hatte so dermaßen schiss, dass dieser Alarm gleich wieder kommt, der noch die Tage danach so viel in mir auslöste, dass ich die drei gefragt hatte, ob ich auf ihrem Sessel pennen kann. Mir war das ehrlich unangenehm, die Armen müssen jetzt eine Fremde in ihrem Hotelzimmer schlafen lassen. Aber ich sah leider keine andere Möglichkeit. Wie viel ich geschlafen hatte in der Nacht könnt ihr euch sicher denken.
Am nächsten Tag beim Frühstück hatte ich die Eltern und die Oma kennengelernt. Ihre MeinSchiff Reise wurde abgesagt, also hatten sie das Hotel verlängert und mussten ihre Zeit in Dubai, die sie eigentlich auf dem Schiff verbracht hätten, noch eine Woche irgendwie rumschlagen. Ich war dermaßen froh, bei ihnen zu sein.
Spätestens ab da hatten sie mich an der Backe. Mit Chiara verstand ich mich so extrem gut, selten hab ich mit jemanden so schnell harmoniert. Man lernte sich kennen, wir waren gemeinsam essen, unternahmen das, was wir als sicher empfunden. Mein Solo-Touri-Programm konnte ich eh abhacken. Das war gelaufen. Dabei hatte ich echt so tolle Sachen geplant. Aber das stand eh hintendran.
Alleine schlafen kam seit der Nacht überhaupt nicht mehr in Frage, also übernachtete Chiara bei mir.
Unser abendliches Ritual war Tagesschau anzuschauen. Um nachvollziehen zu können, wie andere, die Leute von zu Hause, die Aussenstehenden, unsere Situation wahrnehmen.
Irgendwann traf das Schicksal auch mich und Emirates veröffentlichte weitere Fluganulierungen. Das kam auch ehrlicherweise wenig überraschend. Dennoch, ich war so enorm überfordert. Wie zur Hölle soll ich jetzt an meinen neuen Flug kommen? Es hieß per Telefon hängst du 2-3 Stunden in der Warteschleife und die Schalter vor Ort wollte ich mir erst gar nicht antun.
Dazwischen schieben muss ich jetzt aber mal kurz, dass ich es selten erlebt habe, dass fremde deutsche Menschen im Ausland so offen und kommunikativ waren. Dass man in so einer Scheiß Situation so zusammenhalten kann. An einem Abend haben wir förmlich einen Kreis voller Deutschen in der Lobby gebildet, wo jeder von seinem Flug-Schicksal und "wie lange seid ihr schon hier" erzählte. Beim Frühstück am nächsten Tag oder am Pool updatete jeder jeden und so haben sich alle irgendwie ein bisschen weniger alleine in ihrem Schicksal gefühlt.
Jedes Geräusch, jeder Autofahrer, jedes heruntergefallene Besteck. Jede Baustelle, jedes schreiende Baby war ein Moment wo ich hoch schaute. Schaute ob ich was sehe. Rauch, Feuer, Drohnen, keine Ahnung, irgendwas. Alles war triggernd, alles unnatürliche war eine Geste der Anspannung.
Trotzdem war es relativ ruhig. Immer mal hörte man Knalle oder Militärflugzeuge, ansonsten haben wir uns im Hotel und generell in der Stadt sehr sicher gefühlt. Frühs waren wir immer am Pool und gegen Nachmittag unternahmen wir immer kleine Aktivitäten.
Gleichzeitig konnte man aber überhaupt nicht relaxen. Ich hatte viel Zeit und wollte lesen - keine Chance. Meine Gedanken sind die ganze Zeit woanders gelandet. Unsere ganzen Informationen haben wir alle über die News oder auf Instagram bekommen, das ich selten so oft öffnete um zu schauen, ob was neues passiert ist.
Influencer wurden zu Kriegsreportern. Konnte so mal eine ganz andere Perspektive einnehmen als immer nur zu urteilen. Teilweise übertrieben, teilweise komplett verständlich. Jeder hatte zu dem Zeitpunkt eh eine Meinung zu Dubai und allem anderen auch.
Nun gut, irgendwie musste ich halt an meinen neuen Flug kommen. Von den anderen Deutschen wusste ich, dass weder Schalter vor Ort oder das Telefon eine Option ist. Emirates postete auf Instagram, dass man sie am besten per DM erreicht. Und so kam es irgendwie dazu, dass ich am Abend auf Instagram per Direkt Message der Fluglinie mein Schicksal erzählte und bereits am nächsten Morgen einen Alternativflug am 7ten erhielt. Verrückt.
Das war ein Meilenstein. Endlich ein bisschen Gewissheit. Ein Datum, dass man mit dem ganzen abschließen kann. Sicher war natürlich trotzdem nichts.
Mein Flugzeugdrama will ich euch auch nicht ersparen. In den Medien hies es mittlerweile, dass die Lage am Flughafen kontrolliert und solide abläuft. Und so was es auch. Trotzdem meinte die Airline, dass man 4 Stunden vorher am Airport sein sollte. So sollte es sein, also tat ich mich mit 4 anderen aus meinem Hotel zusammen und fuhr nachts um 3:45 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen. Da der riesig ist, sind die 4 Stunden vorher gar nicht mal so weit hergeholt gewesen.
Um 6 Uhr hatte ich mich alleine auf den Weg zu Starbucks gemacht um mir meinen Kaffee zu holen, noch mit einem Typen gequatscht, der in Dubai und Barcelona eine Wohnung hat und jetzt lieber in Spanien chillen will als hier.
Wir wünschten uns gegenseitig einen guten Flug, hofften, dass alles glatt lief, ich war nochmal auf dem Töpfchen bevor das Boarding war, dann kam ich aus der Toilette raus und was ein Gedränge und eine Unruhe da plötzlich war. Ich hab mir gedacht ich war doch nur kurz auf dem Klo, what the fck happened? Dann kam schon das erste deutsche Pärchen auf mich zu und meinte "boooooah, jetzt fliegen wir bestimmt nicht!"
Ich hatte keine Ahnung was abging. Mir wurde dann erzählt dass es dahinten einen Einschlag gab. Die Rauchwolke hatte ich dann noch gesehen. Um 6:55 Uhr hätten wir Boarding gehabt. Und legit 5 Minuten früher ist die Drohne eingeschlagen.
Im Hinterkopf war zu dem Zeitpunkt eh schon, dass ich jetzt gaaaaaaaanz viel Geduld haben muss. Nach der Evakuierung ins Untergeschoss sollten wir nach 10 Minuten wieder zurück ans Gate gehen. Es hatte sich eh schon alles verschoben aber ins Flugzeug konnten wir dennoch.
Im Flieger sitzend bin ich schon eingepennt, ich war so müde. Müde von allem. Müde von warten, müde von nichts wissen. Nach einer Stunde Wartezeit im Flieger, weil noch "getankt" werden musste, kam die Durchsage vom Pilot. Wir sollen jetzt das Flugzeug verlassen. Der Airport ist temporär geschlossen.
Ich hab geheult. Fett geheult. Ich war so am Ende. Das Pärchen neben mir hat mich getröstet, meinte das wird schon. Also hatte ich mich halt wieder ans Gate gesetzt. Und gewartet. Geschlafen. Gewartet.
In jeden Möglichen Positionen geschlafen. Ich war doch so fertig.
Wir wussten halt nicht wie und OB es weiter geht. Fliege ich überhaupt noch? Heisst "temporäre Flughafenschließung" dass ich hier bis heute Abend hocke?
Nachdem unser Flug von 7:55 Uhr auf 12:00 und dann 13:15 Uhr verschoben wurde, ging tatsächlich das Boarding irgendwann los, ich sah das Pärchen im Flieger neben mir wieder, und es hatte keine 3 Sekunden gedauert bis ich komplett weg war. Dabei hatte ich doch extra einen Fensterplatz reserviert, damit ich wenigstens irgendeine View hatte. Naja.
Die Frau neben mir musste mich fürs essen wecken, um 15 Uhr durfte ich meine erste Mahlzeit nach meinem 6 Uhr Kaffee zu mir nehmen und schaute parallel "Wicked" um etwas zu tun zu haben.
Keine Ahnung wann ich gelandet bin. Ich wollte einfach nur ins Bett.
Meine Eltern waren heilfroh. Einen fetten Kuss an meine Familie, die mich so liebevoll aufgenommen hat. Die immer noch in Dubai sitzt, weil die deutschen Airlines die Stadt immer noch nicht anfliegt. Jetzt müssen nur noch die daraus und ich kann mit der Sache abschließen.
Ciao Kakao ihr Lieben, danke dass ihr bis zum Ende gelesen habt. Grüße gehen raus und bis bald !! 🤍
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