Gastronomie

Eine Hassliebe, bei der die Liebe überwiegt

Wien, 28. April 2026. Beide Prüfungen sind rum. Weiter gehts Ende Juni. 

Hasslieben habe ich ja viele. Joggen gehört unter anderem auch dazu. Aber auch da ist die Liebe ein kleines Stück größer ...

In einem Moment, da bist du als Kellnerin am lachen, strahlen, weil die Gäste happy sind, deinen Service schätzen. Das Essen gut geschmeckt hat, alle respektvoll sind, sich bei dir für den schönen Abend bedanken. Dir angemessene 10% Trinkgeld geben. Du denkst dir der beste Job ever. Warum mach ich das nicht hauptberuflich. Ich bin dafür gemacht, Menschen Honig ums Maul zu schmieren, so zu reden, dass die Gäste dich in ihr Herz einschließen. Sehr gutes Trinkgeld, dass dich für mehrere Wochen durchfüttert nimmt man mit, das gute Essen, das man dort bekommt, ebenfalls. 

 

Nun, dann gibts da noch die andere Seite. Die Leute, die mich an einem Samstag um 12:53 zum heulen bringen, obwohl meine Schicht nicht mal seit einer Stunde angefangen hat. Ein Ehepärchen, deutlich über 70. Wer sonst, sind wir ehrlich. 

WIR WARTEN HIER SCHON SEIT 40 MINUTEN UND HABEN UNSER ESSEN IMMER NOCH NICHT!!! SIE HABEN DA BESTIMMT IRGENDWAS VERZETTELT. WENN DAS ESSEN IN 10 MINUTEN NICHT DA IST, GEHEN WIR. UND DAS SCHLIMMSTE IST, SIE TRAGEN DAS ESSEN FÜR DIE ANDEREN RAUS, UND DAS OBWOHL SIE WISSEN DAS WIR SCHON LÄNGER WARTEN. ALSO WIRKLICH, WAS MACHEN SIE DENN?????

 

Oder so ähnlich. Nun, der Fakt, dass ich ganz genau weiß, dass ich deren Ofenerdäpfel mit Hühnchen und mit Gemüse sicher (den Beweis finden Sie im System, bestätigend, dass ich das Essen um 12:13 Uhr) abgeschickt habe, macht die Sache nicht besser. Denn der Fehler, der lag nämlich nicht bei mir. Sondern der Bon ist aus irgendeinem Grund einfach nicht in der Küche angekommen. No one knows why.

 

Egal. Einerlei. Sonst was. Es war meine Schuld, es tut mir leid, der Bon ist in der Küche anscheinend nicht rausgekommen, Fehler passieren. 

Wichtig ist es nur - Appell an alle - die arme Bedienung, die einfach nur am Wochenende etwas Geld verdienen will, noch verhältnismäßig jung ist und sich eh alles zu Herzen nimmt, nicht anzuschreien. Und bitte nicht aufstehen und noch auf sie zugehen. Und für die ganze Situation verantwortlich machen. Das wäre ganz nett. 

In dem Moment (und da lehne ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster) haben die älteren Herrschaften kein Plan, nicht auch nur die geringste Ahnung, was sie emotional mit mir anstellen. Weiß natürlich nicht, ob es deren Intention ist, dass ich für 2 Minuten im hinteren Eck mit meinem Kollege in der Küche verschwinde, mir die Äuglein kullern und mein Kollege dezent überfordert ist, weil er mich nicht weinen sehen will und trösten muss. Wenn das so sein sollte, tun Sie sich keinen Zwang an. 

 

Alles gut, alles gut. Es war nicht so deep. Wirklich. Nach wenigen Minuten war das wieder vergessen, die Wimperntusche konnte ich retten und der Spaß ging weiter. Den Teller hat die Oma mir dann auch aus der Hand gerissen. NA ENDLICH!!!!! 

 

Einen Kaffee aufs Haus, das war ja dann das mindeste, dass ich anbieten konnte. Aber ey, danach, da waren sie wieder ur lieb zu mir. 

"Ach, das ist doch alles gar nicht so schlimm" (hättet ihr euch mal vorher überlegen sollen, bevor ihr mir mich anzickt). Wenigstens gabs 5 Euro Trinkgeld für Tränen. Hätte allerdings auch keins genommen und mir normale Gäste ohne Drama gewünscht. 

Ach ja, wir Bedienungen. Wir müssen uns schon einiges anhören. Viel positives. Viel negatives ist auch dabei. Aber sind wir denn ehrlich, dann lieben wir unseren Job - wenn alles glatt läuft. 

In der Gastro, da gibts halt immer die wildesten Geschichten. Wenn ich jetzt von meiner Experience auf dem Schiff erzähle, dann sitzen wir morgen noch da. 

Da überwiegen Gott sei Dank die positiven Service-Erinnerungen. Die obere Klasse unserer Gesellschaft ist dann doch irgendwie anders. Respektvoller wie ich das empfunden habe. Sehr höflich, interessiert in die eigene Person. Toll war das, wirklich. Der Gästekontakt, der war ja sowieso das beste. Die Reichen und Schönen, die der kleinen Maus aus Bürgstadt Aufmerksamkeit schenken. An einem Abend für 2000Euro zu viert konsumieren. 200€ Trinkgeld auf normal. „Darf es noch ein Schluck für die Dame sein“?, „der Herr noch etwas Wasser?“. Das mag ich doch so gerne. Ahhh toll. 

 

Ich lasse den Fakt mal aus, dass auf MeinSchiff eine Dame ein Foto meines Namensschilds tätigte, um sich über mich beim F&B Manager zu beschweren, weil sie dachte, ich habe sie vergiftet. Sie hatte jedes Mal Bauchweh, wenn ich sie bediente. Nun, mehr muss ich glaub ich nicht erzählen. Ein passender Smiley wäre jetzt der, der die Augen so verdreht. Genau der: 🙄

 

Ja, ja. Die Gastro. Bei mir, da ist es mehr Liebe als Hass (die Liebe zum Trinkgeld, die wollen wir natürlich auch nicht verschweigen). Und ich mach das doch so gerne. Ob in einem Bistro, 5 Sterne Klasse, einem Biergarten, Spätzle-Laden oder die Häckerwirtschaft, mich kann man echt überall reinstecken. Solange ich noch weiter lächeln kann, die Bons sich beim Schank stapeln, die Küche mich anschreit, dass es DAS SCHNITZEL NUR MIT POMMES GIBT UND NICHT MIT BRATKARTOFFELN, ich in der Rush Hour nicht weiß wo oben und unten ist, mein erster Klo-Gang nach 6 Stunden running like a chicken ist, meine erste Mahlzeit um 20 Uhr abends nach dem Frühstück um 10 erfolgt, ich mich weigere Sackerl zu sagen, weil das immer noch zu österreichisch für mich ist, von Gästen Side Eye bekomme und direkt als Deutsche aufliege, weil ich Tüte sage, nicht weiß was ein Stamperl ist oder tausend mal nachfrage, wenn jemand ein „Obi“ bestellt, weil das Apfelsaft im Land der Berge ist zur Hölle …. 

Nun, dann weiß ich, dass es ein erfolgreicher Service Tag war. Und ich liebe es! (: 

Ciao Kakao ihr Lieben, danke fürs zu hören, für mehr Gastro Geschichten bleibt einfach dran, denn die gibts sicherlich noch irgendwann, bis bald !!! (: 

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